kunst

WAS SAGT MIR DAS?

Kunst ist für eine Gesellschaft, was der Schlaf für den Körper ist - scheinbar überflüssig, weil unproduktiv, aber lebensnotwendig!

Nein, der Mensch ist nicht zum Arbeiten da, sondern die Arbeit ist für den Menschen da. Beim arbeiten geht es darum, seinen Lebensunterhalt zu sichern und seine Talente zu entfalten und einzubringen, aber Arbeit ist nicht der Sinn Deines Lebens – auch nicht das Wichtigste. Das Leben hat mehr zu bieten. Was wäre die Welt ohne einen Raum für das Zweckfreie, das Spielerische.

Schon Schiller sagte:

Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Worts Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.

Wo kein Platz mehr für das Zweckfreie, das Einfach-Schöne ist, da ist kein Raum mehr für Menschlichkeit. Die Würde des Menschen ereignet sich genau dort: im zweckfreien Raum! Höflichkeit, Großzügigkeit, Vergebung, Liebe, Hingabe, übersprudelnde Freude, Kreativität all das ist nicht zwingend überlebensnotwendig. Deshalb bezaubert es unser Herz, wenn jemand dazu fähig ist. Ich gewinne immer da meinen Glauben an die Menschheit wieder, wenn jemand gibt ohne es zu müssen, zuhört, Zeit schenkt, liebevoll ist, obwohl – oder gerade weil – er es eigentlich nicht müsste.

Also: wenn Du Dich das nächste Mal bei dem Kommentar erwischst, Kunst sei überflüssig und unnötig, frag Dich lieber, warum Du damit nichts anfangen kannst oder möchtest. Ich als Kunsthistorikerin habe mir schon während meines Studiums oft genug dumme Sprüche anhören können. So von wegen: verschwendetes Potenzial / Orchideenfach / was Du da machst steigert nicht das Bruttosozuialprodukt / wer braucht das? / na und was machst Du später damit, heiraten?

Da stellt sich einmal mehr die alte Wahrheit unter Beweis: „Alles was mich aufregt und was ich kritisiere hat eigentlich etwas mit mir zu tun.“ Jap, in diesem Fall zeigt es, dass Du keine Ahnung davon hast, was das Leben reich und schön macht. Aua!

Hör auf zu urteilen

Zurück zur Kunst. Ich gewöhne mir gerade an, nicht gleich zu urteilen und zu kommentieren, wenn ich etwas nicht verstehe. Zeitgenössische Kunst ist nicht für jeden gleich zugänglich und ja, der Kunstmarkt und seine Preise sind eine verrückte Welt für sich. Aber das sind alles keine Gründe, sich nicht damit auseinanderzusetzen. Und nein, der Satz „das kann ich auch“ ist wirklich das Allerletzte! Wenn Du das wirklich auch könntest, warum machst Du es dann nicht?

Was das Herangehen an Kunst betrifft ist mein Tipp: setz Dich den Dingen aus, bleib erst einmal still und lass das Objekt auf Dich wirken. Sinnlich, ästhetisch, emotional – nicht gleich ans Behirnen gehen. Heißer Tipp: Du musst nicht selbst entscheiden, was gute Kunst ist und was nicht. Wenn Du nicht vom Fach bist, ist das eine Überforderung. Genau dafür gibt es Museen und was Du dort findest, ist aus einem bestimmten Grund an diesem Platz. Und allein deshalb ist es wert, sich damit auseinanderzusetzen, auch wenn Du am Ende zu dem Urteil kommst, dass es Dir persönlich nicht taugt. Und frag nicht gleich: “Was sagt mir das?“ Wenn der Künstler bloß etwas sagen wollte, könnte er auch einen Text schreiben. Frag Dich lieber: „Wie wirkt es auf mich? Was macht das mit mir?“

Weißt Du was passiert, wenn Du aus dem schnellen Urteilen rauskommst? Du gewinnst ein Stück echtes Menschsein zurück. Ein wenig von dem Spielerischen, dem kindlichen Staunen-Können, das das Leben erst lebenswert macht. Versprochen! Das nennt man auch Bildung, wahre Bildung: Herzensbildung!

(Wie Du lernen kannst, Kunst zu genießen findest Du hier).

Was sagst du dazu?